Das neue digitale Antennenfernsehen (DVB-T) kann auch in Baden-Württemberg 2006 das seit 70 Jahren eingeführte analoge Antennenfernsehen ablösen. "Wir wollen damit die Voraussetzungen schaffen, dass in Baden-Württemberg neben DVB-T auch noch weitere modernere Formen von mobilem Fernsehen mit Handy (DMB und DVB-H) schnell eine Chance haben", sagte der Präsident der Landesanstalt für Kommunikation (LFK) Thomas Langheinrich am 13.07.2005 in Stuttgart.
Damit das möglich werde, müssten die vom herkömmlichen Antennenfernsehen benutzten analogen Frequenzbereiche frei gemacht werden. Im Klartext heißt das: SWR und ZDF, die für etwa 3 % der Zuschauer das ganze Land mit der alten Sendetechnik versorgen, müssten abschalten. Die privaten Senderfamilien wie ProSiebenSat.1 und die RTL-Gruppe haben fast überall in Baden-Württemberg die Ausstrahlung über analoge Frequenzen bereits beendet.
Die LFK setzt darauf, dass beim ZDF und beim SWR die Entscheidung, ob abgeschaltet wird und das neue DVB-T-Fernsehen eingeführt wird, in den nächsten Wochen fällt. Nach den bisherigen Planungen könnte die Einführung von DVB-T im Rhein-Neckar-Dreieck, in Mannheim, Heidelberg und Ludwigshafen beginnen und unmittelbar darauf mit der Region Stuttgart fortgesetzt werden. Aus Sicht der LFK sollte versucht werden, einen möglichen Start von DVB-T zusammen mit der Fußballweltmeisterschaft 2006 zu schaffen. "Wenn die Entscheidung schnell fällt, können die technischen Umbauarbeiten an den Fernsehtürmen noch vor dem WM-Start abgeschlossen werden", sagte Langheinrich. In anderen Bundesländern sei DVB-T bereits eingeführt. Längeres Zuwarten bei der Abschaltung der analogen Sender koste mehr als ein Umstieg auf die neue Fernsehtechnik. Bei richtiger Planung könnten SWR und ZDF jährlich jeweils 5 Mio. Euro an Sendekosten einsparen.
Die privaten Sendergruppen bedienen bis auf ganz wenige Ausnahmen schon jetzt in Baden-Württemberg nur noch Haushalte über Satellit oder Kabel. Die ProSiebenSat.1-Gruppe und die RTL-Gruppe haben deshalb bisher erklärt, sie seien nicht bereit für das zusätzlich über das neue DVB-T erreichbare Zuschauerpotential in Baden-Württemberg Sendekosten zu tragen. Wenn nur ZDF und SWR mitmachen, werden statt bisher 3 nunmehr 12 öffentlich-rechtliche Programme über digitalen Antennenempfang zu sehen sein. "Im Sinne des dualen Rundfunksystems wäre es sicher besser, wenn der Zuschauer bei jedem Verbreitungsweg die Wahl zwischen verschiedenen Angeboten hätte", sagte der LFK-Präsident. Die sich abzeichnende Schieflage könnten die Privaten jetzt noch korrigieren, bisher seien dafür allerdings keine Anzeichen erkennbar.
Die LFK betreibt den Umstieg von analoger auf digitale Technik im Raum Rhein-Neckar-Dreieck in enger Abstimmung mit den Nachbarländern Rheinland-Pfalz und Hessen. "Wir betrachten den Start von DVB-T in den Regionen Rhein-Neckar-Dreieck und in der Region Stuttgart als den Einstieg in die Digitalisierung in ganz Baden-Württemberg. Die LFK sieht sich dem ganzen Land verpflichtet und wird darauf achten, dass der Umstieg in einem Gesamtkonzept für ganz Baden-Württemberg erfolgt", betonte Langheinrich. DVB-T fähige Geräte stehen in Deutschland überall zu vertretbaren Kosten zur Verfügung.
Langheinrich wies darauf hin, dass es sich bei dem geplanten Verfahren nicht um eine Frage handele, die nur die 3 % verbliebenen Antennenfernseher betreffe. Das Abschalten der analogen Sender bedeute auch völlig neue medien- und wirtschaftspolitisch bedeutsame Veränderungen. "Wir machen damit den Weg frei für alle gegenwärtig in der Erprobung befindlichen digitalen Rundfunkübertragungstechniken". Dazu gehören ein in Asien bereits eingeführtes "Handy-Fernsehen" (DMB), an dem die Mobilfunkindustrie und die privaten Anbieter ein erhebliches Interesse hätten. Mit dieser Technik und verwandten Entwicklungen, die ebenfalls von Mobilfunkbetreibern und Rundfunkunternehmen im Moment erprobt würden, wie DVB-H, könnte Fernsehen auf Handys, PDAs und Laptops und anderen Empfangsgeräten mit kleinen Bildschirmen dargestellt werden. "Baden-Württemberg befindet sich hier im Gegensatz zu vielen anderen Bundesländern in einer sehr günstigen Situation, da wir nicht vorschnell alle attraktiven Frequenzen zur Versorgung von Ballungsräumen vergeben haben und somit für neue zukunftsorientierte Techniken mehr übrig ist", so der Präsident der LFK.
Die LFK wird die nächsten Verfahrensschritte nach der Entscheidung von ZDF und SWR zügig einleiten, um gegebenenfalls zusammen mit den Beteiligten einen Start des digitalen terrestrischen Fernsehens zur Fußballweltmeisterschaft im Juni 2006 möglich zu machen.
ots. LFK
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